The Bogeyman
 

Hallo Freunde des Miniaturen-Hobbys. Der Pinselknecht präsentiert:

 


 

"Wir schreiben das Jahr 2006"


Ein Konzept, besser gesagt eine Idee schwirrte mir schon Jahre durch den Kopf. Ich wollte ein Diorama erstellen. Es sollte mein Diorama werden, in welches ich meine ganze Kunsthandwerklichkeit investieren wollte. Viele Ideen und Gedanken fand ich gut und wollte sie verwirklichen. Doch wie das so ist, verwarf ich immer wieder Teile oder ganze Segmente so dass das Resultat meines Überlegens am Ende ein ganz anderes war, als wie ich mir eigentlich mein Projekt erdacht hatte. Meine Gedanken konkretisierten sich das erste Mal, bei der endgültigen Festlegung des Themas. Es sollte ein düsteres, dunkles und böses Diorama werden, das war schnell klar. Ein Friedhof war der ideale Schauplatz!

Die Grundidee war geboren. Nun musste die Szenerie mit „Leben“ erfüllt werden. Ein Haupt-Charakter (Miniatur) musste her. Eine, die das Thema in und durch sich manifestieren sollte. Nach langem suchen fand ich schließlich die Miniatur meiner Wahl, den „Bogeyman“.

Das Diorama „Der Bogeyman“ war geboren. Und es gab viel zu tun um es „lebendig“ werden zu lassen!

Viele Gegenstände musste ich besorgen. Viele kleine Einzelteile präparieren und zusammenbauen.

In 175 Stunden Arbeit verarbeitete ich:

- 1 Holzsockel (Andrea; 7,5x14 cm)
- 5 Pinsel (ein 2er, vier 1er Rootmader)
- 150 Gramm Greenstuff
- 100 Gramm Magic-Sculp
- 240 Gramm Formensilikon
- 200 Gramm Resin
- Totenschädel (Freebooter)
- 4 Skelette (Rackham)

und

3 Miniaturen  (Rackham)

- Der Bogeyman
- Skelett I (Kniend)
- Skelett II (Aus dem Boden kommend)

Der Holzsockel

Zuerst wollte ich einen 7,5x11,5 cm Holzsockel nehmen. Doch schon bald stellte sich heraus, dass dieser zu klein war für das, was ich vorhatte! So entschied ich mich für einen 7,5x14 cm Holzsockel von Andrea-Miniaturen.
Um ihn aber für meine Zwecke nutzen zu können musste ich ihn ein wenig präparieren. Der Sockel wurde nämlich nur in einer dunkel rot-braunen Beizfarbe geliefert, die so gar nicht in mein Konzept passte. Rot-braun und ein Friedhof als Thema, dass passt nicht. Also entschloss ich mich, dem guten Dingen meinen Willen aufzuzwingen und ihn Schwarz zu färben. Dazu musste ich als erstes die oberste, sehr dicht versiegelte Schicht von Lack entfernen. Dazu verwendete ich zu erst grobes Schleifpapier. Danach, um wieder eine feine aber für das Aufbringen von Farbe gut geeignete Oberfläche zu bekommen, nahm ich 500. Schleifpapier und arbeitete alle ecken und kanten nach! So war das gute Stück bereit für den Aufbau und die anschließende Grundierung!

Der Friedhof

Lange Zeit überlegte ich, wie ich den Friedhof gestalten sollte.  Was soll passieren auf dem Diorama? Welches Thema ist gut?
Nachdem ich mir ein Konzept eingefallen ist skizzierte ich die groben Züge des Gedanken auf den Holzsockel und machte mich sogleich da rann, dem Diorama Gestallt zu verleihen!
Ich arbeitete mit Greenstuff und Magic-Sculpt welches ich abwechselnd für einzelne Teile nutzte. Das modellieren nahm alles in allem gute 60 Stunden für sich ein!

Der Bogeyman

Die zentrale Miniatur, um die sich alles dreht, der einzigartige, der unglaublich böse, der meister des Todes, der schwarze Mann, der Bogeyman!
Der Bogeyman ist die Miniatur, die ich eines schönen Tages auf der Spiele-Messe in Essen sah und mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Ich wusste: „Du bist es“

Doch ich kaufe den Bogeyman nicht sofort, was sich im Nachhinein als ein Fehler herausstellen sollte!

Kein Online-Shop, kein Ladengeschäft und kein einziger Bekannter hatte einen Bogeyman. Mein Traum sollte sich also nicht in die Tat umsetzen lassen. Doch ich gab nicht auf. „So leicht kriegen die mich nicht klein“ dachte ich mir.

Ich schrieb in alle Foren einen Aufruf, dass ich eine Miniatur, den Bogeyman, suche!

Der gute Vulture schrieb mir sofort zurück und sagte mir zu meiner Freude, dass er in einem bei Ihm ortsansässigen Ladengeschäft noch einen gesehen habe. Die Freude war unendlich groß als ich schon ein paar Tage darauf den Bogeyman in Händen halten konnte! An dieser Stelle noch mal ein herzliches Danke an Vulture :)

Zu meinem Leid mischte sich aber schnell die Realität des Miniaturen-Business in mein Projekt ein. Nachdem ich den Bogeyman aus seinem Blister genommen hatte musste ich schnell zwei große Fehler am Bogeyman feststellen. Das erste Problem war, dass Rackham wohl nicht so sehr Acht auf seine Formen gibt und das halbe Gesicht des Bogeyman einfach nicht mehr da war. Es war ein unförmiger eckiger Klotz geworden, weil wohl die Form, in der mein Bogeyman gegossen wurde, wohl genau an dieser Stelle ausgerissen war und sich das Formen-Silikon wohl mit einem Guss vor meinem verabschiedet hatte! Also musste ich das unförmige Stück etwas mit meinem Dremyl wegfräsen und mit Greenstuff das halbe Gesicht neu modellieren.

Das zweite und bei weiterem viel größere Problem waren die Füße des Bogeyman. Es handelte sich dabei um zwei winzige knöcherne Enden von Beinen mit viel zu großen hobbitartien  Füßen. Sie sollten laut Rackham all das Gewicht und den Moment, den der weit ausschweifende Mantel dem Bogeyman verlieh, auffangen und in die Unterkonstruktion übertrage. Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Ein statisches Desaster für einen Ingenieur wie mich. Aber auch hier fand ich eine Lösung. Zwei wohl durch die Füße platzierte 0.,8mm dicke Silberdrähte sollten dem Bogeyman Halt und Stabilität verleihen. Ich bohrte also die Füße mit einem Handbohrer an und es passierte, was ich schon berechnet hatte: Die Füße brachen einfach ab. Darauf hin nahm ich den Seitenschneider und machte kurzen Prozess. Ich entledigte mich den dünnen Beinenden und bohrte beide Füße sowie den Unterleib des Bogeyman separat an. Dabei stellte sich heraus, dass nur Platz für einen Draht war, was die ganze Konstruktion wieder gefährden sollte. Darum entschloss ich mich, einen 1mm Silberdraht zu nutzen. Ich stiftete also zuerst den Silberdraht in den Unterleib des Bogeyman und brachte dann nachher die Füße an. Die kurzen Beinchen sowie Teile der Füße modellierte ich danach mit Greenstuff nach. Somit war der Bogeyman fertig zum bemalen.

Die Skelette

Was eignet sich besser zu einem Friedhofs-Diorama mit einem schwarzen Mann, als Untote, Zombies und Skelette? Gut, evtl. ein paar Ghoule oder Vampire. Aber ich wollte ja keine Armee bemalen. Also entschied ich mich für die vermoderte Variante der Toten, den Skeletten. „The morbid Puppets“, wie sie Rackham nennt waren kein Problem zu bekommen. Es gab sie in jedem Online-Shop und auch jeder Händler wollte sie mir hinter her werfen! Doch auch hier nutze ich die Hilfe von Vulture, der mir die Skelette zusammen mit dem Bogeyman gekauft und geschickt hat!
Ich bestellte mir je einen Blister mit Skeletten, die Äxte in ihren modernden Händen hielten und einen Blister mit Skeletten, die Schwerter und Schilde hatten. Damit, dachte ich mir, würde ich das Diorama schön abrunden und dem Bogeyman ein würdiges Gefolge geben können.
Als ich die Skelette endlich in Händen hielt wurde mir sofort klar, das sich zwei davon sehr gut für mein Vorhaben nutzen könnte. Ein Skelett mit Axt, welches aus dem Boden kriecht und eines mit Schwert, welches eine demütig kniende Position einnahm.

Die Skelette waren von gutem Guss und ließen sich leicht von ihren Graten befeien. Das Waschen, Grundieren und Bemalen lief wie von allein.

Das Grab

Der Gedanke, den Bogeyman auf einer erhabenen Position darzustellen kam mir gleich zu Anfang meines Projektes. Sein wehender Mantel und sein etwas nach unten gerichteter Blick zwangen ihn auf eine höhere Position. Auch sollte er auf seine verrottenden Untergebenen herabschauen. Ich war mir nur noch nicht sicher wie ich es anstellen sollte. Das ganze Diorama sollte ja einen Friedhof darstellen. Nach einigem Überlegen hatte ich zwei Vorschläge, die zur Wahl standen. Der erste war ein Sarg, eine Art Sarkophag, wie man ihn von den Friedhöfen aus dem Süden der USA her kennt. Dort muss man die Toten überirdisch in Betonsärgen begraben, da der sumpfige Untergrund nicht gut geeignet ist für das Begraben unter der Erde. Auf so einem Sarkophag dachte ich mir, würde der Bogeyman prima ausschauen.

Die zweite Idee war eine Felsformation, eine Art kleine Klippe, auf der der Bogeyman stehen und auf seine Untergebenen herabschauen sollte. Doch diese Idee verwarf ich recht schnell in anbetracht des Platzmangels. Eine kleine Felsformation hätte einfach zu viel Platz weggenommen. Also entschied ich mich für einen Sarg (Sarkophag), der ja auch besser zum Thema Friedhof passt.

Der Sarg wurde in ca. 8 Stunden komplett selber modelliert, abgeformt und mit Resin abgegossen. Zu erst hatte ich vor, ihn als Unikat anzufertigen, doch diesen Gedanken verwarf ich ziemlich schnell. Ich war gerade dabei sowieso Formen für meine PK-PRO zu bauen, da kam mir der Gedanke, den Sarg einfach mit abzuformen und abzugießen. (Wer weiß wozu es gut ist dachte ich mir). Gleich der erste Abguss fand seinen Platz auf dem Diorama, nachdem ich das noch weiche Resin mit einem Skalpell und einer Zange bearbeitet hatte. Ich versuchte den Sarg alt und abgenutzt ausschauen zu lassen. Dazu schnitt und hobelte ich teile an Ecken und Flächen ab. Bemalt habe ich den Sarg zusammen mit dem Diorama.

Der Sarg ist im Übrigen bei PK-PRO als limitierte Auflage erhältlich!

Die Bemalung

Die meisten Arbeitsstunden habe ich für das bemalen verwendet! Für das Bemalen meiner Miniaturen nutze ich stets meine guten alten „Ral-Patha“ und neuen Duncan Acryl-Farben. Sie bieten mir die Qualität die ich von Farben erwarte und erfüllen meinen Anspruch absolut matt auszutrocknen. An Pinseln verwende ich nur Naturhaar vom Rotmaader. Meine Wahl fällt dabei sehr oft auf Da-Vincy und Kolinki. Das Malwasser welches ich verwende ist entmineralisiert. Einen kleiner Spritzer Spülmittel unterbindet die lästige Oberflächenspannung, die unschöne Ränder beim Austrocknen begünstigt!
Ich bemalte das gesamte Diorama noch bevor ich die Miniaturen auf ihm aufgebracht habe! Dadurch habe ich eine Beschädigung der schon bemalten Miniaturen verhindert und bin an alle Stellen ohne Probleme ran gekommen.

Der Wettbewerb

Nachdem ich im den Bogeyman fertig gestellt hatte und mit meiner Arbeit absolut zufrieden war nahm ich mit ihm beim Wettbewerb um den Red-Devil in Witten auf der Miniaturansichten´06 teil. Doch mein gutes Gefühl trog. Ich musste auf sehr traurige Art und Weise miterleben, wie ich mit dem mir so wertvollen und lieb gewordenen Diorama nicht gewinnen konnte. Alles gute Zureden meiner Leute nützte nichts und ich stellte den Bogeyman für ein ganzes Jahr in die Vitrine ohne ihn auch nur einmal raus zu holen. Zu groß war meine Enttäuschung.

Das Jahr 2007: Die Verbesserung

Dann, eine Woche vor dem ersten Mini-Art-Con in Mühlheim wohin der Wettbewerb um den Red-Devil umgezogen ist kam es über mich. Ich wollte den Bogeyman endlich fertig machen. Ich wollte das in erster Linie für mich, doch hatte ich auch ein Auge auf den Wettbewerb geworfen.
In absoluter Akkordarbeit und mit toller Unterstützung von DELTADOG verbesserte ich das NMM und die gesamten Oberflächen des Dioramas. An dieser Stelle ein FETTES Danke an dich @DELTA :)

Doch ich wollte das Diorama mit mehr Leben und Farbe füllen und so habe ich unter Anleitung von DELTADOG mein erstes OSL in die Welt gesetzt. Der Bannkreis und das OSL um das kniende Skelett sollten den krönenden Abschluss meiner Arbeiten darstellen. Der Bogeyman war bereit für einen weiteren Versuch die Jury des Wettbewerbes um den Red-Devil zu überzeugen. Und ich hatte Erfolg damit :) 

Ich gewann den ersten Platz in der Kategorie: Diorama, Duell, Vignette 30mm 

Jetzt, nachdem alles vorbei ist bin ich absolut zufrieden mit meiner Arbeit und betrachte sie jeden Tag mit großer Freude in meiner Vitrine. Die Toten stehen dort fein beleuchtet und verdammt dazu auf ewig in starre zu stehen und sich nicht mehr zu bewegen! 

Der Knecht